Charly, ein Herzensbrecher mit Attitüde!

Charly ist durch und durch ein Charmeur.

Ich kann mich noch genau daran errinnern, als ich Charly das erste mal gesehen hab. Im März  2011, nach einer nervenaufreibenden Suche nach einem Kumpel für meinen Samson, fand ich einen Anruf auf meiner Mailbox. Ich kann mich nur noch grob an die Worte erinnern: „Hallo, ich habe die Telefonnummer vom Tierheim. Die sagten Sie suchen eine Hauskatze. Ich habe eine neun jährige Katze die dringend ein neues Zuhause sucht.“ Mein erster Gedanke: Hmmm… Ich wollte doch nen Kater… und neun Jahre, ist eigentlich zu alt für Samson.

Mehr oder weniger aus Verzweiflung rief ich dann an. Ich dachte mir, wenn es nicht passt, kann ich ja immernoch ablehnen.

Wir vereinbarten einen Termin am selben Tag. Ich kam in die Wohnung und blickte nach rechts in eine langgezogene Küche. Da stand er. Mit schief gestelltem Köpfchen und gekreuzten Vorderpfoten. Ich war sofort verliebt und wusste: Das ist ein Kater und das ist meiner!

Er wurde abgegeben, da er vor dem kürzlich geborenen Baby so starke Angst hatte, dass er das Fressen zum großen Teil einstellte. Die ehemaligen Besitzer erzählten mir, dass er wohl vom Bauernhof kam, mit 9 Monaten kastriert wurde und seitdem in der Wohnung sei. Er wolle garnicht raus, draussen hat er Angst. Geboren sei er wohl im Herbst 2001 irgendwann. Genau wisse man das auch nicht.

Mit einem Handy machte ich dann das erste Foto von Charly um es meinem Freund zu schicken und sein Ok! zu erbitten. Am selben Tag nahm ich ihn mit. Da in meinem Haushalt jeder einen „Geburstag“ haben darf, bekam Charly den 22.September 2001 als seinen Tag. Das war ein Tag im Herbst, müsse also so ungefähr passen.

Willkommen CharlyWillkommen Charly 2

Unser Anfang war mehr als holprig

Die ersten 14 Tage hab ich ihn nur selten gesehen und ab und zu nur mal gehört, wenn er mit Samson aneinander geraten ist und sie sich angefaucht haben. Ansonsten lebte er abwechselnd unter meinem Bett, auf der Küche und hinter der Couch. Da er nach 2 Tagen noch kaum was gegessen hatte und so dünn war, hab ich mir beim Tierarzt hochkalorisches Futter geholt, damit er wenigstens ein paar Nährstoffe zu sich nimmt. Das hatte er verschlungen und so konnte ich das erste Foto in unserer Wohnung machen:

Charlys erstes Foto bei uns

Zugegeben, unscharf, aber eben das erste.

Charly war schon immer sehr sensibel. Er war extrem Geräuschempfindlich. Jedes laute Geräusch, wie Klingeln, Saubsauger oder ein Topf der mir auf den Boden gefallen war, löste bei Ihm eine unsagbare Panik aus. So schlimm, dass er sich sogar eingenässt hat.

Samson, der mir stinksauer war, dass ich ihm einfach einen Rivalen ins Revier gesetzt hab, sah mich nicht mehr mit dem Hintern an. Ich war der Verzweiflung Nahe und fragte mich, ob es so eine gute Idee gewesen ist, Charly zu mir zu holen.

Im Nachhinein weiß ich wo meine Fehler lagen

Charly hatte keine Chance „anzukommen“. Es waren zwei Einzelkatzen, die ich einfach ins selbe Revier „geworfen“ habe. Dass musste ermal schief gehen. Richtig wäre eine Gittertür gewesen, wo sie sich erstmal beschnüffeln hätten können. Gemeinsames Spielen und langsame annäherung

Charly wurde unsauber. Und es dauerte fast 18 Monate, ihm dieses Verhalten wieder abzutrainieren. Mit der Zeit fingen beide an sich zu beschnüffeln. Sie fingen an zu spielen und Charly merkte: Hey, wenn der andre keine Angst vor lauten geräuschen hatte, warum muss ich das den? Nach drei Monaten konnte ich den Zettel von meiner Haustür abmachen, auf dem stand: „Bitte nicht klingeln, Katze hat Angst!“ Charly entwickelte sich zu einer Schmussebacke. Er überraschte mich mit seinem Wissensdurst und blühte beim Klickertraining (ich klickerte ohne Klicker, da dieser bei Samson nichts gebracht hätte) förmlich auf.

Mit der Zeit entwickelten sich Charly und Samson zu einem Team. Sie lagen beieinander, heckten zusammen Streiche aus und ich habee die Belohnung dafür bekommen, durchzuhalten. Die komplette Zusammenführung mit allem drum und dran hatte damals fast zwei Jahre gedauert. Ich habe geweint, gezweifelt, war wütend und hilflos. Zum Schluß bereue ich nichts, außer, dass ich mich damals besser hätte einlesen müssen. Somit habe ich den beiden mehr zugemutet als es hätte sein müssen.

Als Samson dann von uns ging, trauerte Charly

Damit hatte ich nicht gerechnet. Charly, der neun Jahre lang Einzelkatze war und die meiste Zeit seines Lebens keine anderen Tiere kannte, trauerte um seinen Freund. Ich habe mir zwei Wochen nachdem Samson über die Regenbogenbrücke ging ein Video angesehen, in dem Samson miaute. Charly schlief, sprang jedoch bei dem Miau hoch und suchte aufgeregt die ganze Wohnung ab. Mir liefen die Tränen, jedoch wusste ich: Charly ist keine Einzelkatze mehr. Er braucht Gesellschaft und in diesem Moment wurde mir klar, ich muss wieder auf die Suche gehen. Nicht für mich, sondern für Charly. So kamen wir zu Nano.

Samson und Charly

Wie gehts Charly heute

Er ist der ruhende Pol. Immernoch sensibel auf Veränderungen, jedoch sind Geräusche mittlerweile kein Thema mehr. Der Staubsauger wird höchstens noch mit einem “ muss das jetzt“-Blick kommentiert, wenn es klingelt, ist er der erste an der Tür, es könnte ja Kuscheleinheiten geben. Er weiß sich gegen die anderen beiden mit einem Blick durchzusetzen, lässt sich jedoch oft viel zu viel gefallen. Er ist gutmütig. Mittlerweile ein betagter älterer Herr, der den Eindruck macht die Welt verstanden zu haben.

Leider meldet sich bei Charly auch langsam das Alter. Seine Nierenwerte sind nicht mehr die besten, seine Lunge macht uns gerade Sorgen. An seinem 15. Geburtstag mussten wir eine Bronchoskopie durchführen lassen. Er hustet seit einiger Zeit ständig und es sieht so aus als hätte er nun die zweite schlimme Lungenentzündung. Trotzdem ist er immernoch der Inbegriff einer Schmussekatze. Er fordert täglich seine Kuscheleinheiten ein und braucht auch seine „Schoss-Zeit“ am Morgen.

Wie ich auf die Katz kam!

Wie ich auf die Katz kam, eine Liebesgeschichte!

Als Kind hatte ich einen Hund. Herkules. Eine Mischling aus Yorkshire-Terrier und Dackel. Mit Katzen hatte ich nie so viel zu tun, dass ich hier eine Liebe entwickeln hätte können. Die erste Katze in meinem Leben, war der Perserkater, den die Freundin meines Vaters hatte. Ich errinnere mich heute nicht mal mehr an seinen Namen. Nur , dass ich ihn irgendwie lustig fand. Er hat sich alles gefallen lassen, was wir Kinder mit ihm gemacht haben. Im nach hinein tut mir der arme Kerl richtig leid.

Da die Freundin meines Vaters auch noch zwei Hunde hatte und der Kater im Freigang war, wurde die Bindung zu ihm auch nicht so groß. In meiner Familie waren Tiere nie so wichtig, dass man Ihnen viel Bedeutung zugesprochen hat. Alles was ich heute über Tiere weiß, habe ich mir selbst erarbeitet und erlernt. Manchmal durch schmerzliche Erfahrungen.

Die nächste Katze in meinem Leben, war Tiger. Der Kuhkater meines Stiefvaters. Ebenfalls wie der Perserkater Paulchen… jetzt ist mir der Name eingefallen… ein sehr gemütlicher älterer Kater, den nichts aus der Ruhe bringen konnte, noch nicht mal zwei Grundschulkinder, die nur Unsinn im Kopf hatten. Tiger mochte mich und ich war die einzige, zu der er Nachts ins Bett schlich. Das war ihm eigentlich verboten und so schlich er wieder davon, wenn er gemerkt hatte, dass meine Eltern wach werden. Ich wusste, dass er gerne an meinem Fussende schläft und lies ihn nur zu gerne gewähren. Ich genoss seine Zuneigung und sein warmes weiches Fell an meinen Füssen.

Tiger
Leider das einzige Bild, das ich von Tiger noch habe, es zeigt, dass er sich wirklich alles gefallen lies.

Meine erste eigene Katze war dann Samson.

Mit meinem damaligen Freund hatte ich eine Katze die er mit in die Beziehung nahm. Lia. Ein wunderschönes dreifarbiges Katzenmädchen mit leichten Gewichtsproblemen. Von Lia besitze ich leider kein Foto. Die Mutter meines Freundes hatte zwei schöne weiße Katzen. Mimi und Flecki waren Geschwister und beide nicht kastriert. Ich war damals 18 Jahre alt und wusste zumindest schon, dass Geschwister keine Kinder miteinander bekommen sollten und so versuchte ich auf die Mutter meines Freundes einzuwirken, dass die Tiere schnell kastriert wurden. Leider war es schon zu spät, als meine Überzeugungsarbeit fruchtete, Mimi war schon hochschwanger.

Am 15.April 2003 rief sie uns an:

Die Babys kommen, die Babys kommen! Selbstverständlich wollten wir uns dieses Ereignis nicht entgehen lassen und sprangen ins Auto. Als wir ankamen waren schon zwei kleine weiße Fellkugeln auf der Welt. Mimi putzte gerade ihr Zweitgeborenes. In diesem Moment, lernte ich meinen Samson kennen.

Insgesamt gebar Mimi drei kleine Babys. Wir gaben ihnen provisorische Namen, da alle drei schon an Freunde der Familie versprochen waren. Minimi (das älteste Kitten, ein Mädchen), Nuss (später Samson) und Karokätzchen (es war ein getigerter Kater und ich hab mich einmal versprochen und gesagt: Das Kätzchen sei kariert, daher der Name) das Nesthäkchen.

Im Laufe der Zeit fiel uns auf, dass sich Nuss durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Die beiden anderen liefen vorm Staubsauger weg, Nuss, schlief einfach weiter. Nach einigen Tests, wie Klatschtest und anderen lauten Geräuschen in seiner Nähe, war bald klar: Nuss ist taub! Wie ich im nachhinein erfahren habe, ist dies wohl nicht ungewöhnlich, bei weißen Katzen mit blauen Augen und dann auch noch Inzucht.

Als die zukünftige Besitzerin davon erfuhr, sprang sie ab und wollte ihn nicht haben. Was nun… für eine weitere Katze war kein Platz bei der Mutter meines Freundes. Tierheim?

Das wollte ich nicht! Ich sagte zu ihr: Wenn du deine beiden Katzen bis in einem Monat kastriert hast, nehm ich ihn bei uns auf. Und so geschah es dann auch.

 

Samson Baby im Baum
Samson als Baby im Baum

Natürlich brauchte Nuss erstmal einen anständigen Namen

Er hatte zwei verschiedene Augenfarben und so wollte ich Ihn gerne Manson nennen, mein damaliger Freund, Marilyn. Ich fand es aber doof einen Kater mit Frauennamen anzusprechen. Mein Freund wollte nicht dass der Kater nach einem Mörder getauft wird. Also musste ein Kompromiss her. Nach langem überlegen, fiel mir der Film „Amy und die Wildgänse“ ein. In diesem Film wurde das schwächste und verkrüppelte Gänseküken mit dem stärksten Namen bedacht, der ihnen eingefallen ist. Das wollte ich für meinen Kater auch! Das erste Buch mit „Helden“ das mir eingefallen ist, war … ihr werdet es nicht glauben… die Bibel. Und der erste Held, der mir hier eingefallen ist war Samson. Der Krieger mit den langen blonden Haaren. Löwenstark und gerecht. Das passte! So bekam mein kleiner Fellknödel einen heldenhaften Namen.

Nach der Trennung war klar, Samson bleibt bei mir, mein Freund behält Lia. Die beiden kamen nicht besonders gut klar. Aus heutiger Sicht natürlich selbstverständlich denn, Lia war eine ältere Einzelkatze, Samson ein 12 Wochen altes Katerkitten mit Spieldrang und Flausen im Kopf.

Immer wieder wurde mir von vermeinlichen Katzenexperten geraten, ich solle auf keinen Fall ein zweites Tier zu Samson dazu nehmen. Da er Taub sei, würde er immer von anderen Katzen gemieden. Außerdem seihen Katzen eh alleine viel glücklicher. Ich wünschte oft, ich hätte damals auf mein Gefühl gehört und Samson hätte von Anfang an einen Kumpel gehabt. Internet war damals noch nicht so verbreitet und so glaubte ich erstmal dem, was mir Tierärzte, Katzenbesitzer und andere „Experten“ rieten. Samson und ich blieben alleine und wurden zu einem Team.

 

Ich werde noch viel von Samson erzählen

Samson spielt

Er hat mich in vielen Situationen begleitet und mir viel beigebracht. Er hat mir in schweren Zeiten beigestanden und war immer da. Und genauso war ich bis zum Schluss für ihn da. Ich werde von den schönen Zeiten berichten und auch über die nicht so schönen. Irgendwann erzähle ich sicher auch über unseren letzten Tag zusammen. Er ist der Grund, warum der Wunsch in mir gewachsen ist, einen Blog zu schreiben. Ich möchte nicht vergessen. Vielleicht kann der Eine oder Andere aus unseren Erfahrungen lernen.

Samson hat mein Leben nachhaltig beeinflusst. Jetzt ist er seit nunmehr zwei Jahren auf der anderen Seite des Regenbogens und doch ist er doch noch jeden Tag hier.

Ich vermisse ihn und denke jeden Tag noch an die schöne Zeit die wir zusammen hatten. Ich bin ihm dankbar, dass er mir Nano geschickt hat, der mir und auch Charly durch die Zeit der Trauer geholfen hat. Und ich bin ihm dankbar für seine Liebe und sein Vertrauen, das er mir bedingungslos entgegen gebracht hat.

Mein bester Freund, mein Lebenspartner, mein Herz.